Lerncafé für Geflüchtete in den Sommerferien

von Dr. Gudrun Mittelstedt

Erftstadt. Während der Sommerferien 2017 (17.07. bis 27.08.2017) veranstaltete die vhs Erftstadt ein Lerncafé für alle Teilnehmenden der Deutschkurse. Das Angebot sollte die Lücke schließen, die entsteht, weil der reguläre Unterricht in den Ferien aussetzt. Außerdem beklagen die Deutschkursteilnehmenden oft, dass sie zu wenige Gelegenheiten haben, außerhalb des Kurses Deutsch zu sprechen.

Im Vorfeld der Sommerferien haben wir das Lerncafé in den Deutschkursen mit Flyern beworben. Interessierte waren eingeladen, jeden Vormittag in der Zeit von 10:00 bis 13:00 Uhr zur vhs zu kommen. Dort konnten sie unterstützt durch eine Lehrkraft der vhs entweder an Laptops mit dem Programm „Ich will Deutsch lernen“ arbeiten oder im Café nebenan mit ehrenamtlichen Helfer/-innen über Fotokarten und Lernmaterialien miteinander ins Gespräch kommen.

Im Sinne der Förderung der Willkommenskultur war es uns wichtig, ehrenamtlich Engagierten mit dem Lerncafé einen Rahmen zu bieten, in dem sie aktiv werden können. Die Helfer/-innen rekrutierte die vhs aus den Mitgliedern des Fördervereins der vhs und den Reihen der Lesementoren/-innen, die die vhs qualifiziert und deren Einsatz in den Schulen die vhs koordiniert, außerdem machte die Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe das Projekt in ihrem Helferkreis bekannt. 15 Helfer/-innen übernahmen tageweise Stunden im Lerncafé, sodass dort täglich im Schnitt drei Personen für Gespräche zur Verfügung standen. Freitags wurde den Besucher/-innen des Lerncafés jeweils eine besondere Aktion angeboten; so wurden leicht verständliche deutsche Filme gezeigt, am letzten Freitag gab es zum Abschluss ein typisch deutsches Frühstück.

Besucht wurde das Lerncafé durchschnittlich pro Tag von 16 Teilnehmenden. In den ersten beiden Wochen war die Teilnahme mit oft über 20 Personen am höchsten, aber auch in der letzten Woche waren täglich im Schnitt 13 Personen da. Einige haben das Lerncafé tageweise genutzt, eine kleine Gruppe afrikanischer Flüchtlinge ist jeden Tag ins Lerncafé gekommen. Besonders beliebt war das Angebot verständlicherweise bei denjenigen, die noch in Flüchtlingsunterkünften leben. Überwogen hat die Teilnahme von Migrant/-innen, die bisher über sogenannte Willkommenskurse nur einen ersten Zugang zum Deutschunterricht hatten und auf die Zulassung zu einem Integrationskurs warten.

Die Teilnehmer/-innen höherer Module in Integrationskursen sind nur vereinzelt gekommen. Offenbar brauchen sie die Sommerferienpause bzw. sind schon in der Lage, in der unterrichtsfreien Zeit den Lernstoff selbstständig zu wiederholen. Um der dennoch disparaten Besuchergruppe vom Zweitschriftlernenden bis hin zum schnell lernenden Studierenden gerecht zu werden, hat sich das nach Niveaustufen ausdifferenzierte Lernprogramm „Ich will Deutsch lernen“ als äußerst hilfreich erwiesen.

Erfreulich ist, dass Teilnehmende wie Helfer/-innen offenbar mit viel Spaß zueinander gefunden haben, wie folgende Zitate zeigen. In einem Dankesbrief schreibt ein Teilnehmer: „Endlich sind wir sehr glücklich von deinen Taten und wir schätzen euch alle sehr, (…) jetzt versprechen wir ihnen, mehr zu wachsen, indem wir das Lernen als Keller benutzen.“ Und eine ehrenamtliche Helferin schreibt in einer Mail: „Das Lerncafé hat mir Spaß gemacht, und ich bin richtig ein bisschen traurig, dass es schon am Freitag endet. Ich danke, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben in diesem von der vhs so gut organisierten Rahmen mehrmals teilzunehmen. Ich bin immer auf der Suche nach ehrenamtlicher Tätigkeit, bei der man mit Menschen anderer Kulturen ins Gespräch kommt.“

Erfreulich ist auch, dass eine kirchliche Initiative die Idee des Lerncafés aufgegriffen hat und es als wöchentliches Angebot fortsetzen wird. Einige Lokalpolitiker/-innen schauten im Lerncafé vorbei und haben wahrgenommen, was es heißt „Deutsch“ zu lernen und wie wichtig die vhs dafür ist, die Integration voranzubringen. Finanziert wurde das Lerncafé über Sponsorengelder. Der Lionsclub spendete 1.000 €, der Förderverein der vhs, der sich an einem Wettbewerb für städtische Integrationsprojekte beteiligte, gab weitere 2.750 €. Damit konnten alle variablen Kosten für Lehrkräfte (1.828 €), für Hilfskräfte (600 €), Bewirtungskosten (350 €), Bücher (680 €) und weitere Sachkosten für Filme, Kopfhörer und Medien (ca. 300 €) gedeckt werden.

Für die vhs blieb es allerdings nicht beim Bereitstellen der Räume. Einige Arbeitsenergie floss in das Akquirieren der Spenden, die Planung, die Koordination und Betreuung der Ehrenamtlichen, die Bewerbung des Projektes, und auch bei der Durchführung des Projektes in den Sommerferien musste eine Mitarbeiterin jeweils zu Beginn und am Ende schauen, ob genügend Helfer/-innen vor Ort sind, Lücken füllen, Lernmaterial zusammenstellen, kontrollieren, ob die Laptops laufen und Probleme lösen, wenn etwas mit den Programmen nicht so lief wie geplant. Wenn man die geschätzten 100 Arbeitsstunden in Kosten umrechnet, bleibt als Fazit, dass man von Jahr zu Jahr schauen sollte, ob und in welchem Umfang die vhs in der Sommerpause Lernmöglichkeiten anbieten sollte. Für das Jahr 2017, in dem die Flüchtlingsunterkünfte dicht belegt sind, war das Lerncafé sicherlich das richtige Angebot zur richtigen Zeit.

Quellenangabe Bild: Pressestelle der Stadt Erftstadt, Margret Leder, Holzdamm 1, 50374 Erftstadt

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