Rechtspopulisten widersprechen – Workshop (nicht nur) für Lesben, Schwule, Queer, Trans* und Inter* (LSBTQI*)

von Homaira Mansury

Köln. Ein diskriminierender Spruch ist schnell gefallen. Ein weiterer kommt dazu, ein Wort gibt das andere. Viele Menschen würden gerne dagegenhalten, aber die Argumente gehen aus. Kennt man das nicht?

Rechtspopulistische Argumentationen greifen Konflikte in der Einwanderungsgesellschaft auf, die Diskussionen um den Islam oder um die Zukunft Europas. Diese (und andere) Themen werden auch in der LSBTQI*-Community kontrovers diskutiert. Die vhs Köln bot in bewährter Zusammenarbeit mit dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) einen für alle interessierten Menschen offenen Workshop an und erarbeitete mit den Teilnehmenden, wo die Grenzen zwischen einer demokratischen Auseinandersetzung und Rechtspopulismus verlaufen – und wie man rechtspopulistische Argumentationen entkräften kann. 

Seit einem Jahr sitzen Rechtspopulisten im Landesparlament NRW, seit September 2017 sind sie auch im Bundestag vertreten. Sie können dort nunmehr als Anführer der Opposition nicht länger ignoriert werden, ihre Äußerungen sind vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft gewandert und dort angekommen. Die Begegnungen sind vielfältig: im Alltag, in den Medien, auf der Arbeit oder im Kreise der Familie. Um die Auseinandersetzung mit in einem rechtspopulistischen Diskurs aufgebrachten Themen kommt man nur noch schwer umhin. Dies war der Ausgangspunkt des Workshops in der vhs Köln. Nicht nur Menschen aus der LSBTQI*-Community hatten sich angemeldet, sondern es bildete sich ein guter Querschnitt aus der Stadtgesellschaft ab, wodurch sich die Themengebiete wie geplant erweiterten und spürbar bereichert wurden, denn Ausgrenzung und Diskriminierung stellten zentrale inhaltliche Punkte dar.

„Meine Kollegin auf der Arbeit lässt gerne mal unangemessene Sprüche bezüglich Asylpolitik und Homosexualität los, aber ich weiß nie, wie ich darauf reagieren soll“, so eine Teilnehmerin auf die Frage nach dem Grund für ihr Kommen. Die Aussage zeigt zugleich auf, wie schwierig es oftmals ist, sich gegenüber derartigen Meinungsäußerungen zu behaupten.

Während das gemeinsame Zusammentragen von sogenannten klassischen Stammtischparolen allen noch recht leicht viel, geriet die Ausarbeitung von Gegenargumenten schon deutlich schwieriger. Als Methoden des Rechtspopulismus erkannt wurden Diffamierung, Pauschalisierung, Diskriminierung, das Propagieren einfacher Lösungen und die Erzeugung eines „Wir-Gefühls“. Dazu der Trainer des Workshops: „Rechtspopulisten agieren stets im Muster der Gruppenbildung und der Abgrenzung zu den anderen, sie kreieren eben dieses ‚Wir-Gefühl‘.“ Eine emotional vereinnahmte Person lasse sich daher weniger mit nüchternen Fakten vom Gegenteil überzeugen. Wichtig sei vielmehr, Verständnis für die Situation des Gegenübers aufzubringen und diese isolierte Gruppendynamik aufzubrechen, ohne dessen Emotionen korrigieren zu wollen.

Bei der Frage, wie viel Verständnis in einer solchen Situation angebracht sei und ab wann man direkte Konfrontation nicht scheuen sollte, kam es zu einer lebhaften Debatte unter den Teilnehmenden, die der Trainer geschehen ließ und umsichtig moderierte.

Als eine weitere Strategie kristallisierte sich heraus, durch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der konkreten Aussage und durch gezielte Gegenfragen deren Extreme zu entlarven und somit Inkonsistenzen zutage zu fördern. Außerdem könne es hilfreich sein, die Debatte zu versachlichen, einen Blick auf frühere Migrationsbewegungen zu werfen oder durch sichere Formulierungen wie den Verweis auf geltendes Asylrecht Überzeugung auszustrahlen.

Bei der Vorstellung konkreter Inhalte aus offiziellen politischen Strategiepapieren wurde diskutiert, wie gezielt rechtspopulistische Meinungsmache bei der Rekrutierung der Wähler/-innen eingesetzt und hierbei ein besonderes Augenmerk auf die Sprache der Rechtspopulisten gelegt wird, die stark auf das Erzeugen von Assoziationen ausgelegt ist und sich negativer Konnotationen bedient, wie beispielsweise der Begriffe „Volk“ oder „(Flüchtlings)Welle“.

Der Trainer gab den Teilnehmenden noch folgenden Hinweis mit auf den Weg, der auch für ihn während seiner Vorträge oder Workshops leitend sei: „Schlüsselelemente einer erfolgreichen Gesprächsführung im rechtspopulistischen Diskurs sind Rhetorik und ausreichende Informationen gepaart mit praktischer Erfahrung.“

Die Teilnehmenden bedankten sich für einen dynamischen und interaktiven Workshop und teilten den Eindruck, wertvolle Erfahrungen gesammelt und ausgetauscht zu haben.

Dieser Workshop von vhs Köln und LSVD wurde realisiert mit finanziellen Mitteln von NRWeltoffen/demokratie leben/Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen

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